Hiermit lade ich alle Frankfurter ein, ihre Meinung gegen eine Straßenbahn-Trasse nach Slubice laut und deutlich zu äußern. Hier präsentiere ich » seit September 2005 eine Sammlung von 10 Contra-Argumente aus privaten und öffentlichen Diskussionen. Einige der 10 Argumente richten sich sogar grundsätzlich gegen einen grenzüberschreitenden ÖPNV nach Slubice. Sie tragen hoffentlich zur breiteren öffentlichen Diskussion bei. Wer regelmäßig und aufmerksam die Online-Artikel auf www.moz.de zum Thema liest, findet dort viele weitere Kommentare gegen das Projekt "Grenzüberschreitende Straßenbahn".
- Bei der offiziellen Bürgerbefragung am 22. Januar 2006 richteten sich ca. 83% der abgegebenen Stimmen gegen eine Straßenbahntrasse nach Slubice. Dieses demokratische Ergebnis muss von der Frankfurter Stadtpolitik akzeptiert werden. Ein abstraktes 180.000 Euro-Gutachten darf das Ergebnis eines demokratischen Referendums nicht außer Kraft setzen!
- Im Herbst 2011 fand in Slubice eine offizielle Bürgerbefragung zum Straßenbahn-Projekt statt. Die Beteiligung der Slubicer an dieser Befragung war zwar sehr gering, aber eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer stimmte gegen das Straßenbahn-Projekt! Sowohl das geringe Interesse an der Befragung als auch das Abstimmungsergebnis zeigen ganz eindeutig, daß die Slubicer Bürger keine Tram wollen. Dies sollten Frankfurts Stadtpolitiker akzeptieren und die Tram-Gutachten ins Stadtarchiv schicken!
- Beim derzeitigen Kaufkraftgefälle zwischen dem Euro-Gebiet Frankfurt (Oder) und dem Zloty-Gebiet Slubice ist eine subventionierte Tram nach Slubice ökonomischer Unsinn: Die Kommune Frankfurt (Oder) verstärkt durch eine subventionierte Tram über die Oder den KAUFKRAFT-EXPORT in Richtung Slubice. Unsere deutschen Schnäppchenjäger werden mit einer grenzüberschreitenden Tram noch mehr Geld als bisher nach Slubice transportieren. Dort wachsen Umsätze und Arbeitsplätze in Handel, Handwerk, Dienstleistung und Gastronomie, während sie in Frankfurt stagnieren bzw. sogar sinken. Der Kaufkraftexport nach Slubice wird durch Kunden aus Slubice nicht kompensiert aufgrund des aktuellen Bevölkerungsverhältnisses von 3:1 (60.000 Frankfurter zu 20.000 Slubicer). In der Zeitspanne X, in der ein (1) Slubicer mit dem ÖPNV nach Frankfurt fahren würde, um dort einzukaufen, würden gleichzeitig drei (3) Frankfurter nach Slubice fahren, um dort einzukaufen. Dieses Bilanzdefizit benachteiligt Frankfurt erheblich.
Erst wenn 1. in Polen der Euro offiziell eingeführt ist und 2. die Löhne und Preise auf beiden Seiten der Oder sich ungefähr gleichen, wäre ein grenzüberschreitender ÖPNV zwischen Frankfurt und Slubice vorstellbar. Aggressive Werbung in Slubice (Foto: 01/2010).
- Die Stadt Frankfurt (Oder) ist hoch verschuldet. Sie macht sich mit einer grenzüberschreitenden Straßenbahnlinie erpressbar und abhängig.
- Die Stadt Slubice ist hoch verschuldet. Sie kann die EU-Förderung nicht vorfinanzieren. Eine Tram-Trasse kann in Slubice nur durch sehr aufwändige und teure Baumaßnahmen realisiert werden (Straßenverbreiterung, Häuserabriss usw.). Das ebenfalls hoch verschuldete Frankfurt verringert durch die grenzüberschreitende Tram zwar einen kleinen Teil seiner Subventionskosten für die Linie 1, indem sie sie nach Slubice exportiert! Das hoch verschuldete Slubice übernimmt Tram-Kosten und übernimmt damit eine sehr hohe Subventionslast.
Kompromißlösung: Frankfurt verkürzt die angeblich unrentable Linie 1 und nutzt dafür die Schleife am Europaplatz. Slubice setzt gleichzeitig einen eigenen Bus nach Frankfurt ein!
- Eine vorhersehbare Entwicklung: Eine grenzüberschreitende Tram nach Slubice zum jetzigen Zeitpunkt wird bewirken, dass noch mehr Studenten vom teureren Frankfurt ins bisher preiswertere Slubice umziehen und von dort mit der Tram bequem zur Frankfurter Universität pendeln. Dies konterkariert die Frankfurter Bemühungen, auswärtige Studenten davon zu überzeugen, in Frankfurt ihren Hauptwohnsitz anzumelden.
- Die Einwohnerzahl der Stadt Frankfurt schrumpft. Logischerweise müssen sich auch Stadtverwaltung und stadteigene Unternehmen diesem Prozess anpassen. Überflüssige Arbeitsplätze von SVF-Managern dürfen keine Tabu-Zonen bei notwendigen SVF-Umstrukturierungen sein!
- Frankfurt und Slubice verbindet seit dem Jahr 2002 eine neue Oderbrücke, die für eine Strassenbahnlinie erst mit großem Aufwand und hohen Kosten umgebaut werden müsste.
- Die meisten Slubicer können aufgrund ihres aktuellen Einkommens keine deutschen ÖPNV-Fahrpreise bezahlen, sondern maximal polnische Bustarife. Kompromißlösung: Slubice richtet eine eigene Buslinie nach Frankfurt ein!
- Das Pro-Tram-Argument "Es sei viel bequemer, als zu Fuß zu gehen" ist entlarvend. Bewegungsfaulheit (Bequemlichkeit) sollte nicht gefördert werden: Bewegungsmangel fördert die bekannten Wohlstandskrankheiten wie z.B. Bluthochdruck, Übergewichtigkeit, Fettsucht, Diabetes und Demenz. Fussgänger und Radfahrer bewegen ihre Körper selber, leben dadurch gesünder, entlasten das Gesundheitssystem und die Subventionskassen. Die Entschleunigung durch einen Spaziergang bzw. eine Radtour über die Grenzbrücke wirkt positiv auf Touristen, Studenten, Frankfurter und Slubicer. "Bewegung lässt neue Nervenzell-Kontakte entstehen": Der als "Alzheimer-Papst" geltende Heidelberger Wissenschaftler Konrad Beyreuther empfiehlt regelmäßige Spaziergänge oder auch Radtouren.
Gesund ist die Tram nach Slubice weder für bequeme Frankfurter noch für die arme Kommune Frankfurt (Oder). Paradoxerweise ist die Bequemlichkeit vieler Frankfurter heute sogar noch ein gewisser Schutz für Frankfurts Händler & Gastronomen: Je weniger bewegungsunwillige Frankfurter in Slubice ihr Geld ausgeben, umso mehr Einnahmen haben die Frankfurter Händler, Dienstleister und Gaststättenbetreiber. Davon profitiert die Steuerkasse der Stadt Frankfurt (Oder) und damit die ganze Kommune!
Ausdrücklich erwünscht ist das Verwenden der oben aufgezählten Argumente in allen Diskussionen, wie z.B. Internetforen & Zeitungen. Alle Tram-Gegner, die sich mit den o.g. Argumenten identifizieren, dürfen die o.g. Argumente wie eigene Argumente einsetzen. Die Inhalte der Webseiten "83 Prozent" können kopiert und weiter verbreitet werden. Ich erhebe keinen Anspruch auf Urheberrechte. Beim Zitieren von bzw. aus Presse-Artikeln muss jedoch immer die Quelle und das Veröffentlichungsdatum mit angegeben werden.
Weitere Argumente gegen ein grenzüberschreitendes Straßenbahn-Projekt sind erwünscht. Wer gegen diese Tram-Linie nach Slubice protestieren möchte, kann sich meinen Protestaufruf durchlesen. Jeder hat verschiedene Möglichkeiten, sich öffentlich zu äußern. Nutzen Sie Ihre Chance JETZT!
Es gibt bei diesem Thema keine Sofort-und Perfektlösung, sondern nur eine allmähliche Entwicklung: Je geringer das Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und Polen und damit zwischen Frankfurt und Slubice wird, umso größer könnte die Zustimmung zu einem grenzüberschreitenden ÖPNV werden. Bis es jedoch soweit ist, sollten Pro-Tram-Befürworter, Pro-Tram-Journalisten und eine Minderheit politischer Ehrgeizlinge ein demütiges Tempo an den Tag legen, um die Bürgermehrheit mitzunehmen in ein solch mögliches Zukunft-Szenario. Wer aber mit Eilzugtempo und politischem Ehrgeiz die Mehrheit der Frankfurter und Slubicer mit diesem Thema überrollt, wird von der Wählermehrheit mit Recht abgestraft!
| Roland Totzauer © www.rotofo.de/83prozent |
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