Warum präsentiere ich hier Auszüge aus meiner Stasi-Akte?
Nach dem Einsturz der ummauerten DDR in den Jahren 1989/90 - einerseits als Folge nicht auflösbarer Widersprüche der SED-Diktatur sowie andererseits erzwungen durch den Druck von Massenfluchten und gewaltloser Massenproteste von DDR-Bürgern - ist es meiner Meinung nach notwendig, immer wieder die offizielle DDR-Sprache (z.B. in Stasi-Akten und DDR-Zeitungen) und die DDR-Praxis kritisch zu analysieren. Die Sprache in den Stasi-Akten widerspiegelt das von der SED geprägte schizophrene Denken und Handeln im Staat DDR bis 1989. Auch heute erkenne ich dieses Denken in manchen, die DDR verklärenden spitzfindigen Leserbriefen. Zur Analyse aufgerufen sind Germanisten, Historiker und andere, die sich mit Sprache und Geschichte auseinandersetzen wollen. Möglicherweise wird diese Arbeit nur jemand überzeugend leisten können ohne eigene SED- und DDR-Betroffenheit. Ich projeziere meine Hoffnungen auf die nach 1990 im vereinten Deutschland mündig gewordenen Generationen.
Einige Seiten bzw. Abschnitte aus Seiten meiner Stasi-Akte stelle ich für die notwendige Aufklärungsarbeit hier ins Internet. Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich einige Namen durch "xxxxx" ersetzt. In diesen Seiten findet jeder interessierte Leser Stoff für eine Auseinandersetzung mit der "Sprache in DDR-Akten". Diesen Stoff bergen auch die Akten vieler anderer betroffener SED/Stasi-Opfer, die in der DDR durch sogenannte "feindlich-negative Aktivitäten" oder durch "Kontakte zu feindlich-negativen Personen" ins MfS-Raster gerieten.
Vielmals ermittelten offizielle Stasi-Angestellte und inoffizielle Stasi-Mitarbeiter (IM) u.a. auch gegen sich loyal verhaltende DDR-Bürger, gegen die trotzdem eine sogenannte "OPK" eingeleitet wurde. Dies hatte unterschiedlichste Auswirkungen auf das Leben der diffamierten OPK-Opfer. Bei mir führte die OPK zu einer gnadenlosen Behinderung meiner beruflichen Entwicklung und zur Ausgrenzung. Leider rollte gerade wieder einmal eine "DDR-Verklärungswelle" durch Deutschland. Auch deshalb veröffentliche ich hier Teile meiner Stasi-Akte - zur Mahnung und zur Aufklärung. Wer das Bedürfnis verspürt, darauf fair zu reagieren, dem räume ich gern Platz für einen fairen Kommentar in meinem Blog ein. DDR-Nostalgiker und DDR-Schönfärber finden bei mir keine Plattform.
ROLAND TOTZAUER / 2009
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Pressemitteilung: Die DDR war ein Unrechtsstaat
Erscheinungsdatum 17.06.2010
Bundesministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum 17. Juni 1953
Anlässlich des 57. Jahrestages des blutig niedergeschlagenen Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 erklärt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger:
Eines muss klar sein - bei der Totalüberwachung der Bürger, bei der Willkür der Sicherheitsbehörden, bei der Reduzierung des Menschen zum Objekt staatlichen Handelns und nicht zuletzt beim Schießbefehl an der Mauer: Die DDR war ein Unrechtsstaat. Das darf nicht vergessen oder verklärt werden. Noch immer gibt es viel zu viele Menschen in unserem Land, die über die Vergangenheit ganz bewusst den Mantel des Schweigens decken wollen. Die Erinnerung an dieses Unrecht muss tief in unserem gesellschaftlichen Bewusstsein verankert bleiben. Damit ehren wir die einstigen Opfer - und wir schärfen unsere Aufmerksamkeit für den Missbrauch politischer Macht in der Gegenwart.
Text-Quelle: Bundesministerium der Justiz |
Die Mauer half zwar eine Zeit, aber rettete das System nicht (Kommentar von Peter Philipps in der MOZ vom 13. August 2011)
Niemand sage, Propaganda könne nicht nachhaltig sein. Noch immer, 50 Jahre nach dem Mauerbau und mehr als 20 Jahre nach ihrem Fall, wird öffentlich die These vertreten, dass das Beton-Monstrum eine zwangsläufige Folge des Zweiten Weltkriegs war und ein Schutz gegen die Abwerbungen gut ausgebildeter Facharbeiter durch die bösartigen westdeutschen Kapitalisten. Ach ja: Nicht zu vergessen, diese Mauer habe vor allem auch den Weltfrieden sicherer gemacht. Ironischerweise müsste man an dieser Stelle vorschlagen, Walter Ulbricht und seinen Baubeauftragten Erich Honecker noch posthum für den Friedensnobelpreis zu nominieren. Es stimmt, ohne den von Deutschland entfesselten Weltkrieg hätte es keine Teilung des Landes gegeben. Aber der Befehl zum Mauerbau war dann keine Zwangsläufigkeit mehr, sondern die Bankrott-Erklärung des Systems DDR. Eine Gesellschaft, die ihre eigenen Bürger mit Beton, Minen, Stromzäunen und Schusswaffen dazu zwingen muss, im Land zu bleiben, entzieht sich selbst ihre Daseinsberechtigung. Oder, wie es der damalige Kreml-Herrscher Nikita Chruschtschow nach Aussage seines Sohnes formulierte: „Mein Vater hat Ulbricht gesagt, du kannst nicht allein durch die Kraft unserer Bajonette an der Macht bleiben. Das ist gegen alle Vernunft, das ist Schwäche. Du musst von Deinem Volk unterstützt werden, sonst hat alles keinen Sinn.“ [mehr ...]
Text-Quelle als PDF-Datei: Märkische Oderzeitung
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Abkürzungen & Fremdworterklärungen:
- DDR = Deutsche Demokratische Republik
- Stasi = Populäre Abkürzung für: Ministerium für Staatssicherheit der DDR
- SED = Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
- OPK = Operative Personenkontrolle
- IM = Inoffizielle Mitarbeiter des DDR-Staatsicherheits-Ministeriums
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