» Friedrich Schiller (1759 - 1805)
» Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)


ODE AN DIE FREUDE - Chortext zur Neunten Sinfonie

(Rezitativ - Bass)
O Freunde, nicht diese Töne! sondern
laßt uns angenehmere anstimmen und
freudvollere.

(Soli und Chor)
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!
Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt;
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.
Wem der große Wurf gelungen,
eines Freundes Freund zu sein,
wer ein holdes Weib errungen,
mische seinen Jubel ein!
Ja, wer auch nur eine Seele
sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
weinend sich aus diesem Bund.
Freude trinken alle Wesen
an den Brüsten der Natur,
alle Guten, alle Bösen
folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben,
und der Cherub steht vor Gott!
... ... ...
... ... ...
(Chor)
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.
Seid umschlungen, seid umschlungen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Freude, schöner Götterfunken!
Tochter aus Elysium!



Um die Gestaltung des Finalsatzes mit der krönenden Freudenkantate hat Beethoven lange gerungen. Er machte Schillers strophenreiche Ode seiner Konzeption dienlich, indem er nur diejenigen Strophen auswählte, neu ordnete und dabei sogar eine Textveränderung vornahm, die seiner kühnen Idee entsprachen.

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